diskurs film Verlag
diskurs film - Kompetenz in Medienwissenschaft

dfB.4 (1992)

Michael Schaudig:

Literatur im Medienwechsel

Gerhart Hauptmanns Tragikomödie DIE RATTEN und ihre Adaptionen für Kino, Hörfunk, Fernsehen. Prolegomena zu einer Medienkomparatistik

445 S., 60 s/w-Fotos

ISBN 3-926372-54-0

50,00 € [D]

 

 

Zum Inhalt:


Als Medienwechsel wird die Bearbeitung eines künstlerischen Werkes für ein gegenüber dem Erstveröffentlichungsmedium differentes ästhetisches Textsystem bezeichnet. Der komplexe Medienverbund, den vor allem die Literatur mit den technisch reproduzierenden Medien des 20. Jahrhunderts eingegangen ist, führt dabei besonders prägnant vor Augen, wie die verschiedenen künstlerischen Ausdruckspotentiale der Zielmedien Kino, Hörfunk und Fernsehen auf das Ausgangsmedium Literatur einwirken, wie sich Elemente von Medienspezifität und Intermedialität herauszubilden pflegen. Gehört der Medienwechsel heutzutage schon fast zum ›Standard‹ der Medienpraxis (Stichworte: »der Film zum Buch« bzw. »das Buch zum Film«), so bildet seine theoretische Aufarbeitung aber immer noch ein Forschungsdefizit.

Die vorliegende Studie erörtert den Medienwechsel im historisch-systematischen Kon-text und stellt Grundzüge einer Medienkomparatistik vor. Diese vergleichende Medienwissenschaft fixiert allerdings nicht das allzu oft diskutierte Problem einer sog. ›Werktreue‹, sondern orientiert sich an der Frage einer ›Wiedererkennbarkeit‹ der literarischen Vorlage in der Adaption (auch bei ›freier Bearbeitung‹). Als methodologischer Erkenntnisweg wird hier die Mustererkennung eingeschlagen, deren strukturalistischer Ansatz erstmals die präzise Vergleichbarkeit unter-schiedlichster medialer Realisationen gewährleistet.

Als Analysekorpus wurde Gerhart Hauptmanns Tragikomödie Die Ratten und zehn ihrer Medialadaptionen (Stumm- und Tonfilm, vier Hörspiele, Fernsehfilm, zwei Fernsehspiele, Theaterübernahme) gewählt. Die Ratten dienen jedoch nicht als bloßes Exemplum einer Methodendiskussion; vielmehr zeigt sich, dass die medienkomparatistische Analyse auch der Literaturwissenschaft innovative Impulse zu geben vermag.


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Der Studie kann man eine gewisse Faszination nicht absprechen. (Filmkunst, Wien)

Die Arbeit enthält eine Fülle von wertvollen Einsichten und Informationen. (Germanistik, Tübingen)

Schaudigs Leistung besteht vor allem in der Arbeit an den Kategorien zur Erfassung des Medienwechsels. (Medienwissenschaft, Marburg)

Außer Frage steht, dass die vorliegende Arbeit die Diskussion um die Konzeption einer Mediengeschichte der Literatur um einen entscheidenden Schritt vorangebracht hat. (Zs. für Germanistik, Berlin)