diskurs film Verlag
diskurs film - Kompetenz in Medienwissenschaft

dfB.12 (1997)

Gabriele Kilchenstein:

Frühe Filmzensur in Deutschland

Eine vergleichende Studie zur Prüfungspraxis in Berlin und München (1906-1914)

375 S.

ISBN 3-926372-62-1

44,00 € [D]

 

 

Zum Inhalt:


Die Zensur als Herrschaftsinstrument unterstellt allen kommunikativen Prozessen einen suggestiven und damit potentiell gefährlichen Charakter. Die Zensurgesetzgebung, d.h. die Beschränkung der freien Meinungsäußerung durch die Festschreibung bestimmter Normen, dient stets der Sicherung von Machtpositionen. Ein signifikantes Beispiel dafür ist die Entwicklung der sog. »Filmprüfung« in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Innerhalb weniger Jahre hatten sich die »Bildstreifen« im wilhelminischen Deutschland eine herausragende Position als Massenkommunikationsmittel erobert. Damit wurden sie für das Werte- und Normensystem der vormundschaftlichen Gesellschaft zur Bedrohung. Der neuen »Lustbarkeit« wurde ein suggestiver Charakter unterstellt, der die öffentliche Ruhe und Ordnung störte. So unterstanden die »Films« von Anfang an polizei-licher Kontrolle.

Die vorliegende Studie legt die Praxis der frühen Filmzensur in Berlin und München und ihre Konsolidierung im Kontext der Kultur-, Kommunikations-, Sozial- und Rechtsgeschichte dar. Sie untersucht die an der Filmzensur interessierten und beteiligten Insti-tutionen, deren Motive, Mittel und Einflüsse; ebenso werden die politisch, moralisch und religiös geprägten Bewertungskriterien analysiert.

Diese grundlegende Darstellung der frühen Filmzensurpraxis wird durch Gesetzestexte, Zensurbegründungen, Archivdokumente und veranschaulichende Graphiken im Anhang ergänzt.


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Bemerkenswert ist die Ausschöpfung der Primärquellen. Das umfangreiche Literatur- und Quellenverzeichnis wertet das Buch zusätzlich auf. (Süddeutsche Zeitung, München)

Der spannendste Teil dieser Arbeit ist die detaillierte Darlegung der Voraussetzung und Durchführung von Zensur in beiden Städten bis zum Ersten Weltkrieg. (filmdienst, Köln)

Es ist auch ein Verdienst der Analyse Kilchensteins, die Psychologie des wilhelminischen Zensurapparats ins filmhistorische Bewusstsein überführt zu haben. (Filmblatt, Berlin/Babelsberg)