diskurs film Verlag
diskurs film - Kompetenz in Medienwissenschaft

dfB.13 (1998)

Ulrich von der Osten:

NS-Filme im Kontext sehen!

»Staatspolitisch besonders wertvolle« Filme der Jahre 1934-1938

320 S.

ISBN 3-926372-63-X

vergriffen

 

 

Zum Inhalt:


Das Verstehen älterer Filme setzt vielfach die genaue Kenntnis ihrer zeitgeschichtlichen Bezüge und damit ein bestimmtes kulturelles Wissen voraus. Die vorliegende Studie leitet zu einem solchen kontextuellen Sehen am Beispiel von Spielfilmen der NS-Zeit (1934–1938) an, die das Prädikat »staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll« erhielten. Im Gegensatz zu den Filmen der Kriegsjahre (1939–1945), bei denen die ideologischen Paradigmen meist eindeutig waren, trugen die Filme der Vorkriegszeit auf eher subtile Weise dazu bei, das Herrschaftssystem der Nationalsozialisten zu bestätigen und zu festigen. Gerade bei den frühen NS-Filmen sind heutige Zuschauer verstärkt darauf angewiesen, die zur Uraufführungszeit geltenden politischen, sozialen, moralischen und kulturellen Normaspekte als Basis für die adäquate Interpretation heranzuziehen. Die Rekonstruktion all dieser kontextuellen Zusammenhänge zeigt auf, dass die ›ideologische Linie‹ des Dritten Reichs bereits von Anfang an auch in sog. Unterhaltungsfilmen angelegt und auf das zeitgenössische Publikum zugeschnitten war.

Das Plädoyer für ein kontextuelles Sehen fordert den heutigen Zuschauer somit generell dazu auf, sich der ideologischen Prämissen und Entstehungsbedingungen von Filmen zu vergewissern und eine ahistorische Interpretation zu vermeiden.