diskurs film Verlag
diskurs film - Kompetenz in Medienwissenschaft

dfB.14 (1998)

Gerald Koll:

Pandoras Schätze

Erotikkonzeptionen in den Stummfilmen von G. W. Pabst

441 S., 189 s/w-Fotos

ISBN 3-926372-64-8

50,00 € [D]

 

 

Zum Inhalt:


Georg Wilhelm Pabst, der neben Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und Ernst Lubitsch als einer der ›großen Vier‹ des deutschen Stummfilms gilt, ist heute vor allem durch sein Frühwerk bekannt. Innerhalb von nur sieben Jahren (1923–1929) drehte Pabst neun Filme, die allesamt um ein zentrales Thema kreisen: Erotik und Sexualität. Voyeurismus, Promiskuität, Prostitution, Homoerotik, Inzest, Sadismus, Masochismus, Pädophilie, Nekrophilie etc. liefern die Motivkomplexe. Die Filme zielen damit auf eine Normkollision, traditionelle Werte werden in Frage gestellt; nicht umsonst gerieten viele Pabst-Filme mit der Zensurpraxis der Weimarer Republik in Konflikt.

Überdeutlich fokussieren sich die sozialpolitischen und kulturellen Debatten der Zwanziger Jahre in Pabsts Werk. Männerbilder und Frauenbilder im Wandel – Philosophie, Sozialpsychologie und Medizin der frühen Moderne definieren die Adäquatheit bzw. Inadäquatheit der Geschlechterrollen neu. Im pathetischen, gleichwohl ironisch gebrochenen Diskurs präsentiert Pabst ein breites Spektrum neuer ›Frauentypen‹, das gegen reaktionäre Rollenfestlegungen konzipiert ist.

Die vorliegende Studie analysiert die sieben großen Stummfilme Pabsts: werkimmanent und in ihren zeitgeschichtlichen Bezügen, im Kontext der Zensur und Filmkritik. Hierbei konnte der Autor z. T. erstmals auf neueste rekonstruierte Fassungen der oft nur fragmentarisch überlieferten Filme zurückgreifen. Umfangreiches Bildmaterial – direkt aus den Filmkopien reproduziert – veranschaulicht präzise die Analyse kinematographischer Strukturen. Auf diese Weise eröffnet sich eine filmhistorisch neue Sichtweise auf Pabsts Frühwerk.